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Journal · Inhaltsstoffe · 7 Min. Lesezeit

Naturseife: Was drin ist, welche Arten es gibt und worauf Sie achten

„Naturseife“ klingt eindeutig, ist aber kein geschützter Begriff. Dieser Ratgeber erklärt die üblichen Inhaltsstoffe, die wichtigsten Seifenarten und das Etikett – für Gesicht, Körper, Haare und Rasur.

Kurz gesagt

„Natürlich“ ist für Kosmetik in der EU nicht gesetzlich definiert – die Inhaltsstoffliste sagt mehr als der Name.

Echte Seife entsteht durch Verseifen von Ölen mit Lauge; viele „Glycerinseifen“ sind Gießseifen-Rohlinge mit weiteren Zusätzen.

Wer Seife verkaufen will, muss das EU-Kosmetikrecht vollständig erfüllen – mit Sicherheitsbewertung und verantwortlicher Person.

Was ist eine Naturseife?

Für Kosmetik gibt es in der EU keine gesetzliche Definition von „natürlich“. Gemeint ist meist eine Seife aus Pflanzenölen mit wenigen, nachvollziehbaren Inhaltsstoffen und ohne synthetische Tenside. Ob ein Produkt diesem Anspruch gerecht wird, zeigt die Inhaltsstoffliste, nicht die Vorderseite der Verpackung.

Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 definiert „natürlich“ nicht. Werbeaussagen müssen trotzdem wahr, belegbar und nicht irreführend sein (Verordnung (EU) Nr. 655/2013). Eine Seife, die als Naturseife verkauft wird, sollte das Wort also begründen können.

Zwei Bezugspunkte helfen bei der Einordnung:

  • ISO 16128 beschreibt, wie der Anteil natürlicher und natürlich gewonnener Inhaltsstoffe einer Rezeptur berechnet wird. Das ist eine Rechenhilfe, kein Siegel und keine Zertifizierung.
  • Private Standards wie COSMOS oder NATRUE legen eigene Regeln für Natur- und Biokosmetik fest und zertifizieren Produkte, die sie erfüllen.

Ohne beides beschreibt „Naturseife“ ein Konzept, keinen geprüften Standard. Das ist kein Makel – es lohnt sich nur, das Etikett genauer anzusehen.

Woraus besteht Naturseife?

Klassische Seife wird aus Ölen oder Fetten, Wasser und einer Lauge hergestellt. Beim Verseifen entstehen daraus Seife und Glycerin; danach können Duft, Pflanzenextrakte oder Farbstoffe hinzukommen. Auf dem Etikett erscheint die Seife oft als Natriumsalze der Öle, etwa Sodium Olivate.

Typische Bestandteile von Naturseife:

  • Öle und Butter: Oliven-, Kokos-, Rizinus- oder Palmöl, Sheabutter. Jedes Öl prägt die Seife anders – Kokosöl schäumt schnell, Olivenöl ergibt einen dichten, mild wirkenden Schaum.
  • Lauge: Natriumhydroxid für feste Seife, Kaliumhydroxid für Schmierseife und flüssige Seife.
  • Wasser, das während der Reifezeit größtenteils verdunstet.
  • Mögliche Zusätze: Duft („Parfum“) oder ätherische Öle, Pflanzenextrakte, Tonerden, Farbstoffe wie Eisenoxide.

Ein Etikett könnte lauten: Sodium Olivate, Sodium Cocoate, Aqua, Glycerin, Parfum, Limonene. Duftallergene wie Limonene oder Linalool müssen ab bestimmten Konzentrationen genannt werden. Wie speziell Olivenölseife hergestellt wird und reift, erklärt unser Ratgeber Olivenölseife.

Glycerinseife oder verseifte Seife: Was ist der Unterschied?

Verseifte Seife entsteht direkt aus Ölen und Lauge; in vielen handgemachten Seifen bleibt das dabei gebildete Glycerin enthalten. Als „Glycerinseife“ wird meist eine klare Gießseife verkauft, die neben Seife und Glycerin oft Sorbitol, Propylenglykol und mitunter synthetische Tenside enthält.

Glycerin ist ein natürliches Nebenprodukt der Verseifung. Bei kalt gerührter Seife bleibt es im Stück; in einem Teil der industriellen Herstellung wird es abgetrennt und separat verkauft.

Transparente Glycerinseifen sind ein anderes Produkt. Damit sie klar und schmelzbar werden, kommen Stoffe wie Sorbitol, Propylenglykol, Zucker oder Alkohol hinzu; manche Rohlinge enthalten auch Tenside wie Sodium Laureth Sulfate. Schlecht ist das nicht, aber es verändert den Charakter einer Seife, die als Naturseife angeboten wird.

Verseifte SeifeGlycerinseife (Gießseife)
Hergestellt ausÖlen + LaugeFertigem Seifenrohling
AussehenMeist undurchsichtigOft transparent
Typische ZusätzeDuft, PflanzenextrakteSorbitol, Propylenglykol, teils Tenside

Welche Art Sie vor sich haben, zeigt die INCI-Liste.

Ist Naturseife gut fürs Gesicht und zum Duschen?

Viele Menschen verwenden eine milde Seife problemlos für Gesicht und Körper. Seife ist jedoch alkalisch; trockene oder empfindliche Haut kann sich danach gespannt anfühlen, und ein pH-hautneutraler Reiniger passt dann oft besser. Eine Pflege nach dem Waschen hilft, die Haut geschmeidig zu halten.

Ob Seife austrocknend wirkt, hängt von der Haut, der Wasserhärte und der Rezeptur ab. Den alkalischen pH-Wert von Seife und ihre Reaktion mit hartem Wasser erklärt unser Ratgeber Olivenölseife ausführlich; hier nur das Praktische:

  • Naturseife fürs Gesicht: lauwarmes Wasser, wenig Schaum, gründlich abspülen, danach eine Creme.
  • Naturseife zum Duschen: Das Seifenstück ist eine Alternative zum natürlichen Duschgel. Beides reinigt; die Wahl ist vor allem eine Frage von Hautgefühl, Duft und Verpackung.
  • Duft: Unparfümierte Seifen enthalten weniger mögliche Allergene als stark duftende.

Kosmetik behandelt keine Hauterkrankungen. Bei Neurodermitis, Akne oder Schuppenflechte lassen Sie sich bitte ärztlich oder in der Apotheke beraten, welcher Reiniger zu Ihnen passt.

Kann man mit Naturseife die Haare waschen?

Das geht, und manche Menschen waschen ihr Haar mit einer Haarseife. Echte Seife ist aber alkalisch und kann bei hartem Wasser einen stumpfen Film auf dem Haar hinterlassen. Ein Shampoo, das für Haare formuliert ist, ist meist einfacher in der Anwendung.

Hinter „Naturseife für Haut und Haar“ stecken zwei verschiedene Produkte:

  • Haarseifen sind verseifte Öle wie Körperseife. In weichem Wasser funktionieren sie oft gut; in hartem Wasser bilden sich unlösliche Kalkseifen, die das Haar schwer und glanzlos wirken lassen. Manche spülen deshalb mit einer sauren Rinse nach, etwa verdünntem Apfelessig.
  • Festes Shampoo ist häufig gar keine Seife, sondern gepresste milde Tenside wie Sodium Cocoyl Isethionate, mit einem hautnäheren pH-Wert.

Für die regelmäßige Haarwäsche ist ein flüssiges oder festes natürliches Shampoo meist die praktischere Wahl. 2-in-1-Stücke für Körper und Haar gibt es, sie sind aber eher ein Kompromiss für Reise und Camping als eine Lösung für jeden Tag.

Gibt es Naturseife für Männer?

Seife selbst kennt kein Geschlecht: Seife „für Männer“ unterscheidet sich vor allem im Duft und manchmal im Zweck, etwa Rasur oder Bartpflege. Typisch sind holzige, kräuterige oder zitrische Noten; die Grundlage ist dieselbe wie bei jeder anderen Seife.

Naturseifen für Männer unterscheiden sich meist in drei Punkten:

  • Duft: Rosmarin, Zeder, Vetiver oder Zitrus statt blumiger Noten. Unparfümierte Seife passt für alle.
  • Rasierseife: auf dichten, stabilen Schaum ausgelegt, oft mit Stearinsäure und einer Mischung aus Natrium- und Kaliumseifen. Sie wird mit dem Pinsel aufgeschlagen und ist nicht dasselbe wie ein Duschstück.
  • Bart und Körper: Eine milde Seife kann den Bart reinigen; ein Bartöl oder eine Lotion danach hält die Haut darunter angenehm.

Seife ist zudem ein klassisches Geschenk, oft zusammen mit Duschgel oder Körperlotion – siehe unsere Geschenksets mit Naturkosmetik.

Naturseife kaufen: Was bedeutet „ohne Zusatzstoffe“?

„Ohne Zusatzstoffe“ oder „ohne Chemie“ ist kein rechtlich festgelegter Begriff – alles besteht aus chemischen Stoffen, auch Wasser, Olivenöl und Seife selbst. Gemeint ist meist eine kurze Inhaltsstoffliste ohne synthetische Tenside, Konservierer oder Farbstoffe. Ob das zutrifft, zeigt die INCI-Liste.

Ohne Lauge lässt sich echte Seife nicht herstellen: Natrium- oder Kaliumhydroxid reagiert mit den Ölen und wird in einer korrekt hergestellten Seife verbraucht. „Ohne Zusatzstoffe“ ist daher Werbesprache, keine rechtliche Kategorie.

Hilfreicher sind beim Naturseife-Kauf diese Fragen:

  • Ist es verseifte Seife (Sodium Olivate, Sodium Cocoate …) oder ein Rohling mit synthetischen Tensiden?
  • Enthält sie Duft („Parfum“), und welche Allergene sind angegeben?
  • Sind Farbstoffe (CI-Nummern) oder Konservierer enthalten?
  • Stehen Name und Anschrift des Herstellers bzw. der verantwortlichen Person auf der Verpackung?

Konkrete Angaben wie „ohne Parfum“ sind nützlich, wenn sie stimmen und andere Produkte nicht herabsetzen. Unser Ratgeber zur INCI-Liste erklärt Reihenfolge und Bezeichnungen auf dem Etikett.

Naturseife selber machen: Was sollte man wissen?

Beim Seifensieden wird mit Natriumhydroxid gearbeitet, das ätzend ist und schwere Verätzungen und Augenschäden verursachen kann – Schutzbrille, Handschuhe und gute Belüftung sind Pflicht. Wer seine Seife verkaufen möchte, bringt rechtlich ein kosmetisches Mittel in Verkehr, mit Pflichten wie einer Sicherheitsbewertung.

Rezepte veröffentlichen wir nicht, doch zwei Punkte sollten Sie vor dem Start kennen:

  • Sicherheit: Laugenlösung erhitzt sich stark, gibt Dämpfe ab und gehört außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Frische Seife ist noch ätzend und braucht mehrere Wochen Reifezeit.
  • Verkauf: Handgemachte Seife, die in der EU verkauft wird, muss die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 erfüllen – verantwortliche Person, Sicherheitsbericht durch eine qualifizierte Sicherheitsbewerterin oder einen Sicherheitsbewerter, Meldung im CPNP-Portal, gute Herstellungspraxis und vollständige Kennzeichnung. Das gilt auch für kleine Manufakturen.

Wer Seife unter eigener Marke anbieten möchte, ohne selbst zu produzieren, kann mit einem etablierten Hersteller arbeiten. Seda Pura bietet Olivenölseife im Großhandel und als Private Label an; Details nennen wir auf Anfrage.

Stand: Oktober 2026Diese Seite bietet allgemeine Informationen zu Kosmetik und Handelspraxis. Sie ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder medizinische Beratung.

FAQ

Häufige Fragen

Wie bewahrt man Naturseife richtig auf?

Auf einer Seifenschale, aus der Wasser ablaufen kann, und nicht direkt im Wasserstrahl. Ein Stück, das zwischen den Anwendungen trocknet, bleibt fest und hält deutlich länger.

Ist flüssige Naturseife dasselbe wie ein Seifenstück?

Nicht ganz. Echte Flüssigseife wird mit Kaliumhydroxid hergestellt und steht auf dem Etikett als Kaliumsalz, etwa Potassium Olivate. Viele flüssige „Seifen“ sind tatsächlich tensidbasierte Reiniger, ähnlich einem Duschgel.

Warum hat handgemachte Seife manchmal einen weißen Belag?

Oft ist das Sodaasche, ein weißer Belag, der sich an der Oberfläche frischer Seife durch Kontakt mit Luft bilden kann. Er ist ein optischer Makel und wäscht sich bei den ersten Anwendungen ab.

Wird Naturseife schlecht?

Seife ist lange haltbar, doch die enthaltenen Öle können mit der Zeit oxidieren – erkennbar an orangen Flecken oder ranzigem Geruch. Bewahren Sie sie kühl und trocken auf und verwenden Sie sie innerhalb der auf der Packung angegebenen Frist.

Ist Naturseife für Kinder geeignet?

Milde, unparfümierte Seifen werden häufig bei Kindern verwendet. Bei Babys und Kindern mit empfindlicher Haut fragen Sie bitte in der Kinderarztpraxis oder Apotheke, welcher Reiniger passt.

Was bedeuten CI-Nummern auf dem Seifenetikett?

Sie kennzeichnen Farbstoffe nach dem Colour-Index-System. CI 77491 steht zum Beispiel für ein rotes Eisenoxid. Ungefärbte Seifen haben keine CI-Nummern.

Kann ich Seife von Seda Pura als Privatperson kaufen?

Seda Pura arbeitet derzeit mit Händlern, Distributoren und Marken. Ein Onlineshop für Endkunden ist geplant; bis dahin können Geschäftskunden Muster und ein Angebot anfragen.

Gibt es Naturseife in Bio-Qualität ohne Zusatzstoffe?

Eine Seife besteht immer aus Ölen und Lauge; ganz ohne Zusätze geht es also nicht. „Bio“ ist bei Kosmetik gesetzlich nicht definiert und wird über private Standards wie COSMOS oder NATRUE geprüft. Was wirklich enthalten ist, zeigt die INCI-Liste.

Bekommt man Naturseife in der Apotheke?

Ja, viele Apotheken führen milde Pflanzenöl- und Olivenölseifen. Ob eine Seife zu Ihrer Haut passt, hängt von Rezeptur, Überfettung und Duft ab, nicht vom Verkaufsort.

Naturseife aus Deutschland oder aus Spanien – worauf kommt es an?

Auf Rezeptur, Rohstoffe und Herstellung, nicht auf das Land allein. Spanische Seifen setzen traditionell auf Olivenöl, wie unsere Olivenölseife; in der INCI-Liste erscheint es verseift als Sodium Olivate.

Ist Naturseife für Outdoor und Camping geeignet?

Ein festes Seifenstück ist leicht und auslaufsicher und deshalb beliebt. Auch Naturseife sollte nicht direkt in Seen oder Bächen benutzt werden: Waschen Sie sich in sicherem Abstand zum Gewässer.

Wo kann man Naturseife in der Schweiz kaufen?

In Drogerien, Apotheken, Naturkosmetik- und Onlineshops. Händler in der Schweiz können Seda Pura über unsere Großhandelsseite anfragen; für Lieferungen außerhalb der EU gelten eigene Vorgaben, die wir je Anfrage prüfen.

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