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Journal · Inhaltsstoffe · 7 Min. Lesezeit

Olivenölseife: Wie wird sie hergestellt und was macht sie aus?

Olivenölseife gehört zu den ältesten Pflegeprodukten des Mittelmeerraums. Wie die Verseifung funktioniert, was Kastilien-, Marseille- und Aleppo-Seife bedeuten und wie Sie ein Seifenstück verwenden und aufbewahren.

Kurz gesagt

Olivenölseife entsteht, wenn Olivenöl mit Lauge verseift wird; in der INCI-Liste heißt sie Sodium Olivate.

Kastilien, Marseille und Aleppo sind traditionelle Seifenarten, keine geschützten Qualitätssiegel.

Ein Seifenstück hält länger, wenn es zwischen den Anwendungen trocknen kann und nicht im Wasser liegt.

Was ist Olivenölseife?

Olivenölseife ist eine Seife, deren Fettbasis ganz oder überwiegend aus Olivenöl besteht. Durch die Verseifung wird das Öl zu einem waschaktiven Stoff, der in der INCI-Liste als Sodium Olivate (fest) oder Potassium Olivate (flüssig) erscheint.

In der fertigen Seife liegt das Olivenöl nicht mehr als Öl vor, sondern ist chemisch umgewandelt. Das ist der entscheidende Unterschied zu Cremes und Lotionen, in denen Olivenöl ein Öl bleibt. Welche Rolle Olivenöl in pflegenden Rezepturen spielt, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Olivenöl in der Hautpflege; hier geht es nur um Seife.

Viele Olivenölseifen enthalten zusätzlich weitere Öle wie Kokos- oder Lorbeeröl sowie Glycerin, Wasser und gegebenenfalls Duftstoffe. Die Reihenfolge in der Inhaltsstoffliste zeigt, was überwiegt: Bestandteile über 1 % stehen in absteigender Konzentration.

Wie wird Olivenölseife hergestellt?

Olivenöl wird mit einer alkalischen Lösung gemischt, bei fester Seife mit Natriumhydroxid. Die Fettsäuren reagieren mit der Lauge zu Seife und Glycerin; diesen Vorgang nennt man Verseifung.

Zwei Verfahren sind verbreitet:

  • Kaltverfahren: Öl und Lauge werden bei mäßiger Temperatur verrührt, in Formen gegossen und reifen danach.
  • Heißverfahren: Die Masse wird erhitzt, sodass die Verseifung schon während der Herstellung abgeschlossen ist.

Bei einem korrekt berechneten Rezept wird die Lauge in der Reaktion vollständig verbraucht; in der fertigen Seife bleibt keine freie Lauge zurück. Viele Rezepte setzen bewusst etwas mehr Öl ein, als die Lauge verseifen kann; das nennt man „Überfettung“. Ob das Glycerin in der Seife bleibt, hängt vom Verfahren ab. Industrielle Seifen werden auch aus fertigen Seifengrundmassen hergestellt.

Was unterscheidet Kastilien-, Marseille- und Aleppo-Seife?

Alle drei sind traditionelle Seifenarten mit Olivenöl, benannt nach ihrem Herkunftsort. Kastilienseife steht für einen sehr hohen Olivenölanteil, Marseiller Seife für eine französische Siedetradition im Kessel und Aleppo-Seife für eine syrische Seife aus Oliven- und Lorbeeröl.

BezeichnungHerkunft des NamensTypische Merkmale
KastilienseifeKastilien, SpanienOlivenöl als Haupt- oder einziges Öl; heute auch flüssig erhältlich
Marseiller SeifeMarseille, Frankreichtraditionell im Kessel gesiedet, überwiegend aus Olivenöl; heute auch mit anderen Pflanzenölen
Aleppo-SeifeAleppo, SyrienOlivenöl plus Lorbeeröl (Laurus Nobilis Fruit Oil), lange Reifezeit

Keiner dieser Namen garantiert für sich allein eine bestimmte Rezeptur. Welche Öle tatsächlich verwendet wurden, zeigt die INCI-Liste.

Feste oder flüssige Olivenölseife: Was ist der Unterschied?

Feste Seife wird mit Natriumhydroxid hergestellt und heißt Sodium Olivate, flüssige Seife mit Kaliumhydroxid und heißt Potassium Olivate. Das Grundöl ist dasselbe; die Art der Lauge bestimmt die Konsistenz.

Ein Seifenstück kommt meist mit wenig Verpackung aus und hält bei richtiger Lagerung lange. Flüssigseife ist praktischer, wenn mehrere Personen sie nutzen, etwa am Waschbecken, und lässt sich mit dem Spender leicht dosieren. Sie enthält aber viel Wasser und deshalb meist ein Konservierungsmittel.

Flüssige „Kastilienseife“ wird oft als Konzentrat verkauft und vor der Anwendung verdünnt. Viele moderne Duschgele sind dagegen gar keine Seifen, sondern beruhen auf synthetischen Tensiden. Die Inhaltsstoffliste verrät, was vorliegt.

Warum braucht Olivenölseife eine Reifezeit?

Nach der Herstellung reift feste Seife mehrere Wochen. In dieser Zeit verdunstet Wasser, das Stück wird härter und ergiebiger, und die Seifenstruktur festigt sich.

Seifen mit hohem Olivenölanteil sind anfangs relativ weich und reifen deshalb oft länger als Seifen aus einer Ölmischung. Wie lange genau, hängt von Rezeptur, Stückgröße und Verfahren des Herstellers ab; traditionelle Aleppo-Seifen etwa reifen besonders lange.

Ein gut gereiftes Stück verbraucht sich bei der Anwendung langsamer. Da eine Seife auch nach der Reifezeit noch etwas Feuchtigkeit verliert, wird das auf der Verpackung angegebene Gewicht gemeinsam mit dem Hersteller geplant.

Wofür eignet sich Olivenölseife bei Gesicht, Körper und Haar?

Olivenölseife reinigt die Haut und wird von vielen für ihren feinen, cremigen Schaum und ihre schlichte Inhaltsstoffliste geschätzt. Wie sie sich auf Ihrer Haut anfühlt, hängt von Rezeptur und Hauttyp ab; pauschale Wirkversprechen lassen sich nicht machen.

Körper und Hände: die klassische Anwendung. Aufschäumen, gut abspülen und danach bei Bedarf eine Körperlotion auftragen.

Gesicht: Seife ist alkalisch, die Hautoberfläche dagegen leicht sauer. Manche verwenden Olivenölseife problemlos im Gesicht, andere empfinden sie als spannend. Probieren Sie sie zuerst an einer kleinen Stelle.

Haare: Mit Seife gewaschenes Haar fühlt sich oft rau oder stumpf an, besonders bei hartem Wasser. Für die regelmäßige Haarwäsche ist ein dafür gemachtes Shampoo meist die einfachere Wahl.

Bei Hauterkrankungen fragen Sie bitte einen Arzt.

Ist Olivenölseife gut fürs Gesicht?

Das kann sie sein, es hängt aber von Ihrer Haut ab. Manche schätzen Olivenölseife als einfache Gesichtsreinigung, andere empfinden sie als zu stark reinigend und spannend oder als zu reichhaltig. Testen Sie sie zuerst an einer kleinen Stelle und pflegen Sie danach mit einer Feuchtigkeitscreme.

Seife löst Fett und Schmutz gründlich. Viele Menschen mit normaler oder fettiger Haut empfinden das als angenehm, trockene oder empfindliche Gesichtshaut kann sich danach jedoch spannend anfühlen. Anderen sind Seifen mit hohem Anteil an unverseiftem Öl (Überfettung) für das Gesicht zu reichhaltig.

  • Machen Sie zuerst über einige Tage einen Verträglichkeitstest, etwa entlang der Kieferlinie.
  • Verwenden Sie lauwarmes Wasser, schäumen Sie kurz auf und spülen Sie gründlich ab.
  • Tupfen Sie das Gesicht trocken und tragen Sie eine Gesichtscreme auf.
  • Spannt die Haut, verwenden Sie die Seife seltener oder wechseln Sie zu einer milderen Reinigung.

Olivenölseife ist ein Reinigungsprodukt und keine Behandlung. Bei Hauterkrankungen wie Akne oder Ekzemen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Hautarzt.

Trocknet Olivenölseife die Haut aus? Seife, Syndet und pH-Wert

Nicht zwingend, aber es ist möglich. Echte Seife ist alkalisch und liegt bei etwa pH 9 bis 10, die Hautoberfläche ist dagegen leicht sauer. Syndets und die meisten Duschgele sind hautneutral eingestellt, was viele Menschen mit trockener Haut als milder empfinden.

Seife entsteht durch das Verseifen von Ölen mit Lauge und ist deshalb von Natur aus alkalisch. Das bei der Verseifung entstehende Glycerin bleibt in traditionell hergestellter Seife erhalten und trägt dazu bei, dass sich die Haut nach dem Waschen weich anfühlt.

Syndets (synthetische Tenside, „seifenfreie Seifen“) und die meisten Duschgele lassen sich auf einen pH-Wert um 5,5 einstellen, nahe dem der Haut.

SeifeSyndet / Duschgel
pH-Wertetwa 9–10meist etwa 5–6
Glycerinentsteht bei der Verseifungje nach Rezeptur zugesetzt
Gefühl auf trockener Hautkann spannenwird oft als milder empfunden

Ob sich Ihre Haut trocken anfühlt, hängt außerdem von Hauttyp, Wasserhärte und Waschhäufigkeit ab. Eine Körperlotion nach dem Duschen hilft, die Haut geschmeidig zu halten.

Wie sollten Händler Olivenölseife verpacken und kennzeichnen?

In der EU ist eine Seife zur Hautreinigung ein kosmetisches Mittel und braucht die vollständige Kennzeichnung nach der Kosmetikverordnung. Die Verpackung sollte das Stück außerdem vor Feuchtigkeit schützen, ohne es völlig luftdicht abzuschließen.

Auf das Etikett gehören unter anderem: Name und Anschrift der verantwortlichen Person, Nenninhalt, Mindesthaltbarkeitsdatum oder PAO-Symbol, Chargennummer, Verwendungszweck, sofern nicht offensichtlich, Warnhinweise und die Liste der Inhaltsstoffe. Quelle: Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 19.

Verbreitet sind Papierbanderolen und Faltschachteln, weil die Seife darin weiter atmen kann. Schrumpffolie schützt beim Transport besser, kann aber Feuchtigkeit einschließen. Aussagen wie „mild“ müssen belegbar sein. Unsere Olivenölseife für Händler: Verpackung und Etikett auf Anfrage.

Stand: Oktober 2026Diese Seite bietet allgemeine Informationen zu Kosmetik und Handelspraxis. Sie ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder medizinische Beratung.

FAQ

Häufige Fragen

Enthält Olivenölseife Lauge?

Lauge wird für die Herstellung gebraucht, hat in einer korrekt hergestellten Seife aber vollständig mit dem Öl reagiert. In der Inhaltsstoffliste kann Natriumhydroxid trotzdem als Ausgangsstoff genannt sein.

Wie bewahre ich Olivenölseife auf, damit sie länger hält?

Legen Sie das Stück auf eine Seifenschale, aus der Wasser gut abläuft, und lassen Sie es zwischen den Anwendungen trocknen. Unbenutzte Stücke lagern am besten kühl, trocken und ohne direkte Sonne.

Warum schäumt reine Olivenölseife weniger?

Olivenöl bildet einen feinen, cremigen Schaum mit kleinen Bläschen statt großem Schaumvolumen. Viele Rezepte ergänzen deshalb Öle wie Kokosöl für mehr Schaum.

Ist Olivenölseife für empfindliche Haut geeignet?

Das hängt von der Rezeptur und der einzelnen Haut ab, ein pauschales Versprechen gibt es nicht. Testen Sie die Seife zuerst an einer kleinen Stelle und fragen Sie bei Hauterkrankungen einen Arzt.

Kann Olivenölseife schlecht werden?

Ja, Seife kann sich mit der Zeit verändern, etwa im Geruch oder durch orangefarbene Flecken, ein Zeichen, dass die Öle oxidieren. Achten Sie auf das Datum oder das PAO-Symbol auf der Verpackung.

Was bedeutet „Kastilienseife“ auf dem Etikett?

Meist steht es für eine Seife mit hohem Olivenölanteil, der Begriff ist aber rechtlich nicht geschützt. Welche Öle enthalten sind, zeigt die INCI-Liste; wie Sie sie lesen, erklärt unser INCI-Ratgeber.

Ist Seife nach EU-Recht ein Kosmetikprodukt?

Ja, wenn sie zur Reinigung der Haut bestimmt ist. Dann gilt die Kosmetikverordnung mit Sicherheitsbewertung, verantwortlicher Person und Notifizierung im EU-Portal CPNP.

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